Linda Nichols: Geborgtes Leben

 

Wenn du vor etwas wegläufst holt es dich irgendwann wieder ein

Einer der letzten Sätze des Buches würde als Zusammenfassung schon fast reichen:

„Du kannst vor Gott nicht davonlaufen, egal wie weit du gehst. Egal wie viel Mühe du dir gibst. Er geht dir nach und ruht nicht, bis er dich zurück geholt hat.“ (S. 368)

Mary Bridget Washburn führt ein Leben, was sie nicht mehr führen will. Einst ist sie mit Jonah von zuhause geflohen, nun stellen sie Drogen her und leben vom Dealen. Jonah ist nicht mehr der, der er mal war, auch weil er ohne Chrystal Meth nicht mehr leben kann.

Mary flieht mit dem Geld von Jonah, lässt sich einen neuen Ausweis machen und aus Mary wird Bridie. Sie fängt ein neues Leben an und hofft, dass er sie nicht finden wird. Dann plötzlich beginnt eine ganz andere Geschichte: Von Alasdair, dessen Frau starb und nun ist er mit drei Kindern allein. Er ist Pfarrer, aber nicht mehr mit Leib und Seele. Mehr, weil seine Familie es so wollte und sein Vater auch Pfarrer war. Als man sich langsam fragt – hä? Wie passt das jetzt zusammen? – kommen beide Geschichten zusammen. Bridie wird Kindermädchen bei der Familie, weil die Teenagertochter sie so sehr an Mary erinnert in ihrem Alter. Welche Geheimnisse gibt es in dieser Familie und wie lange kann sie unauffällig leben bis Jonah sie findet? Und wovor rennt sie davon?

Anfangs dachte ich – na gut Mary rennt weg, lebt eine weile anonym, dann findet Jonah sie und dann wird doch irgendwie alles gut. Also ein nicht ganz unbekannter Plot. Trotzdem hat das Lesen Spaß gemacht und war irgendwie anders als erwartet, manchmal düster und beunruhigend. Warum kann ich nicht so genau beschreiben. Und die Autorin lässt viel Spielraum zum selbst denken. Viele Fragen bleiben offen, allerdings scheint das gewollt um sich selbst darüber ein Bild zu machen. Das hat mir gut gefallen und war anders als sonst. Kein seichter Roman, keine leichte Kost. Kein Buch was man weglegt und ein neues beginnt.

Ist es möglich, vor seiner Vergangenheit davonzulaufen? Kann man vor seinem alten Leben fliehen und nochmal neu anfangen? Die Autorin geht diesen Fragen nach und kommt zu dem Schluss, dass man erst abschließen muss, sich den Dingen stellen muss um wieder frei leben zu können. Besonders gut passte hier auch der Konflikt der Gemeinde mit ihrem Pfarrer. Alasdair war nur Pfarrer geworden, weil sein Vater es wollte. Viel lieber wäre er Lehrer geworden. Aber es fällt ihm sehr schwer, sich das einzugestehen. Auch der Tod seiner Frau lastet auf ihm. Aber es ist nicht so leicht sich von liebgewonnen Gewohnheiten zu trennen, dazubleiben und auszuharren ist oft leichter.

Die Autorin schreibt aus verschiedenen Perspektiven, was hier sehr passend ist um sich in die Geschichte reinzufinden. Was ich besonders fand – die Personen werden mehr nach ihren inneren Werten beschrieben, das Aussehen steht mehr im Hintergrund. Auch wenn der Schluss doch etwas zu schnell kam und etwas zu happy war, hat mir das Buch sehr gut gefallen.

Wer gern komplexe Geschichten mit Tiefgang liest, der liegt mit dem Buch genau richtig!

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27330-4, Preis 14,95 Euro

Simone Janoschke

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