Terri Blackstock: Gefährliche Zuflucht

Auf Cape Refuge, einer kleinen Insel vor der Küste Georgias, führen Wayne und Thelma eine Frühstückspension. Das gläubige Ehepaar nimmt Menschen auf, die im Leben gescheitert sind.  Drei Gäste sind in der Pension, doch an Gus, Jamaikaner und ehemaliger Häftling, wird von vielen abgelehnt. Deshalb steht die Schließung der Pension auf der Tagesordnung des Stadtrates. Da sich ihre Eltern verspäten, ergreift Blair das Wort und sagt dem Bürgermeister einige unangenehme Wahrheiten. Plötzlich erscheint der Polizeichef Cade und bittet Blair und Morgan, die beiden Töchter, ihn zu begleiten. Ihre Eltern wurden in der Kirche erschossen.

Das Buch hat mich tief berührt. Das liegt nicht in erster Linie an der Krimihandlung.

Blair und Morgan sind völlig unterschiedlich im Charakter und in der Lebenseinstellung. Morgan ist tief gläubig. Sie hat ihren Eltern in der Pension geholfen, auch wenn es Jonathan, ihr Mann, nicht gern gesehen hat. Blair, die aus der Kindheit eine Brandnarbe im Gesicht trägt, hat sich vom Glauben abgewandt. Sie arbeitet als Bibliothekarin. Ihre Eltern haben zwar das Gespräch mit ihr gesucht, waren aber so tolerant, sie ihren eigenen Weg gehen zu lassen. Morgan vertraut dem Gefühl, Blair allein ihrem Verstand. Aus dieser Konstellation entwickeln sich zwischen den beiden Mädchen tiefgreifende Gespräche darüber, warum Gott Leid zulässt, über das Wesen und die Größe Gottes, über Vertrauen zu Gott und nicht zuletzt über den Sinn des Glaubens. Das Buch gibt auf diese Fragen keine Antworten, aber die Gespräche geben Denkanstöße und manche Sätze muss man mehrmals lesen. Auch bei Morgan spüre ich als Leser Zweifel, doch ihr Glaube überwindet ihn. Bei Blair gibt es erste Anzeichen, dass es gelingen könnte, die Barriere, die sie um sich gezogen hat, aufzuweichen. Im Buch aber bleibt sie sich bis zum Ende treu. Was kommt nach dem Tod? Auch hier prallen die Meinungen beider aufeinander.

Es gibt sehr berührende Szenen im Buch. Jonathan, der Gus abgelehnt hat und lange in ihm den Mörder seiner Schwiegereltern vermutet, nimmt im Gefängnis seine Bitte zu einem gemeinsamen Gebet an. Cade denkt darüber nach, warum er zwei Menschen inhaftiert hat, mit denen er in eine Kirche geht und einen Glauben trägt. Jonathan begreift, dass er nur sinnvoll weiterleben kann, wenn er vergibt.

Was nach außen wie ein Krimi aussieht, ist ein tiefsinniges Buch über wichtige Glaubens- und Lebensfragen. Der Autorin ist es sehr gut gelungen, die Charaktere der Personen zu zeichnen und darauf die Diskussionen aufzubauen. Nachdem ich das Buch begonnen hatte, konnte ich es kaum aus der Hand legen. Es ist von einer inneren Spannung geprägt, die mich immer wieder in ihren Bann gezogen hat.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass es auch alle Elemente eines guten Kriminalromans hat. Neben mehreren Verdächtigen, scheinbar offensichtlichen und weniger klaren Motiven gehört dazu ein überraschendes Ende. Vieles ist nicht so, wie es scheint. Jeder hat seine Vergangenheit, die in die Gegenwart wirkt.

Der Titel wurde mir persönlich erst verständlich, nachdem ich das Buch gelesen hatte.

Das Buch möchte ich gern weiterempfehlen. Es ist der erste Band einer Serie. Ich bin schon auf die folgenden Bände gespannt.

BOAS Verlag, ISBN 978-3-942-25801-2, Preis 14,95 Euro

Elfie Kraft

 

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