Lynn Austin: Die Apfelpflückerin

 

Deer Springs in Amerika im Jahre 1930 – Eliza steht am Grab ihres Schwiegervaters Frank Wyatt. Die nähere und weitere Verwandtschaft interessiert vor allem, wie die junge Witwe mit drei Kindern die große Plantage bewirtschaften will. Eine Ausnahme bildet Tante Gracie. Sie sagt Eliza, dass sie Gott darum bitten werde, ihr einen Schutzengel zu schicken, der ihr hilft.

Das Buch besteht aus zwei Erzählsträngen. Zum einen werden Elizas Erlebnisse und Erfahrungen in ihrer Gegenwart dargelegt, zum anderen gibt es an passenden Stellen Rückblenden in die Vergangenheit. Durch letzteres wird das Handeln der Protagonisten verständlich, denn ich als Leser erfahre, wie die Vergangenheit deren Leben in positiver oder negativer Hinsicht geformt hat. Jeder in der Familie hatte seine Geheimnisse, die so nach und nach aufgedeckt werden.

Das Buch lässt sich flott lesen, ist spannend geschrieben, und ich konnte es nur schwer aus der Hand legen. Es enthält viele emotional tief berührende Stellen. Auf Beispiele möchte ich hier verzichten. Jeder Leser sollte sich selbst ein Bild machen.

Zwei Fragen werden im Buch besonders stark beleuchtet. Das ist zum einen der Einfluss, den die Eltern auf den weiteren Lebensweg ihrer Kinder haben. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die sich im Buch wiederfinden, um den Kindern die Luft zum Atmen zu nehmen. Verletzungen können ein Leben zerstören.

Zum anderen geht es um die Frage, inwieweit wir die Führung Gottes akzeptieren. Tiefgreifende Gespräche zwischen Gracie und Walter beleuchten dieses Thema. Sie lassen Gracie zu einer Frau werden, die vielen ihrer Nächsten im entscheidenden Moment Halt und Kraft gibt. Auch Gabe gelingt es, durch seine einfühlsame Art, die Luke von seinen Bedrückungen zu befreien. Dass der innere Wert eines Menschen und sein „wahrgenommen werden“ in der Öffentlichkeit nicht dasselbe sind, zeigt sich bei Gracie und Frank.

Die Protagonisten sind umfassend charakterisiert. Die Autorin lässt uns zum Teil tief in ihre Seelen blicken.

Auch die Zeitverhältnisse werden ausreichend einbezogen. Die Dorfgemeinschaft glaubt, mit der jungen Witwe ein leichtes Spiel zu haben. Viele haben auf die Plantage ein „Auge geworfen“ und versuchen sie, offen oder versteckt, in die Hände zu bekommen.

Jeder neue Abschnitt beginnt mit einem Bibelzitat und ist verziert mit einem blühenden Zweig. Zwei dieser Zweige finden sich zu Beginn jedes Kapitels wieder.

Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. An vielen Stellen hat es mich zum Nachdenken gebracht. Die verschiedenen Lebensbilder, die es skizziert, zeigen, was passiert, wenn wir uns von der Liebe Gottes leiten lassen, aber auch, welche Spuren Hass und Gewalt in der Seele hinterlassen können.

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-861-22983-4, Preis 14,95 Euro

Elfie Kraft

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