Elke Pfesdorf: Louis von Mortville: Das Erbe der Tempelritter

 

Im Leben von Louis von Mortville ist vieles nicht ganz normal. Zusammen mit seinen Eltern, seiner Schwester Amelie und dem Großvater Hugo lebt er in einem alten Pförtnerhaus. Statt sich mit Mädchen zu treffen oder Fußball zu spielen, lernt er Selbstverteidigung, Schwertkampf und Bogenschießen. Und dann redet Hugo auch noch ständig über die Tempelritter.

Als in der Schule ein grau gekleideter Fremder auftaucht, der Louis über die Templer befragt, beginnen die Ereignisse sich zu überschlagen und ein ganz neues Licht auf sein bisheriges Leben zu werfen.

 

Die „Wölfe der Apokalypse“, wie sich die grauen Krieger nennen, dringen in Louis zu Hause ein und während er um sein Leben kämpft, verschwinden nacheinander seine Eltern, sein Großvater und schließlich wird auch Amelie von Männern abgeholt, die das rote Kreuz der Templer tragen. Zufall? Louis gelingt die Flucht, doch die ist erst der Anfang einer abenteuerlichen Jagd. Denn die Wölfe sind nicht nur hinter ihm und seiner Familie her, sondern hinter den „Insignien der Macht“, die die Tempelritter hüten.

Während Louis versucht seine Familie zu finden, gerät er immer tiefer in die verborgenen Machenschaften der zwei geheimnisvollen Orden.

 

„Das Erbe der Tempelritter“ von Elke Pfesdorf ist wunderschön gestaltet, weist eine solide feste Bindung auf und überrascht beim Aufschlagen mit Seiten, deren Ränder stilecht „auf alt“ getrimmt wurden. Das Gefühl etwas Geheimnisvolles aufzuschlagen, ist fesselnd.

 

Der Zielgruppe angemessen (lt. Verlag ab 12) startet die Autorin mit der Handlung schnell durch und stößt ihren Protagonisten in rasantem Tempo von einem Abenteuer ins nächste. Die Ereignisse geschehen Schlag auf Schlag und vor allem Jungs dürfen sich über hollywoodreife Action freuen, sei es bei einer Verfolgungsjagd auf dem Waveboard oder beim Eindringen in eine feindliche Burg.

Louis der Hauptcharakter kämpft, klettert, rennt und jagt durch seine Geschichte mit der hartnäckigen Unbezwingbarkeit eines fünfzehnjährigen James Bond. Eines James Bond mit hitzigem Gemüt und leichten Sprachproblemen, denn Louis von Mortville stottert. Eine außergewöhnliche Idee für eine Schwäche.

 

Leider bleibt trotz dieser angedeuteten Schwäche der Charakter von Louis recht einseitig und oberflächlich für meinen Geschmack, dürfte das Lesevergnügen von Jungs ab 10 jedoch kaum trüben.

Was das Lesen hingegen durchaus erschwert, ist die Tatsache, dass Louis den Großteil seiner Abenteuer allein besteht. Somit fällt nicht nur die fehlende Charaktertiefe, sondern viel gravierender, die Tatsache auf, dass die ständig eingestreuten Kommentare und Einwürfe von Louis, reine Monologe sind und durch ihre Häufigkeit sehr konstruiert wirken. Wen beeindruckt schon ein cooler Spruch, wenn niemand zugegen ist? Viele der gesprochenen Worte von Louis wären plausibler als Gedanken formuliert.

Womit ich bei einem zweiten Manko bin, das mich sehr im Lesefluss und –verständnis stört. Sowohl wörtliche Rede, als auch Louis’ Gedanken sind gleichermaßen mit Anführungszeichen gekennzeichnet. Oftmals erfährt man so erst spät, ob Louis gedacht oder gesprochen hat. Ab und an ist es auch überhaupt nicht klar. Eine deutlichere Trennung wäre hier angenehmer und geschickter gewesen.

 

Das Thema des Glaubens wird für meinen Geschmack sehr konservativ angegangen, passt aber natürlich zur längst vergangenen Zeit der Gründung der Templer. Noch ist nicht deutlich zu erkennen, inwiefern Louis Gott und seinen Glauben ernst und wichtig nimmt, doch die große „1“ auf dem Buchrücken lässt mich eine beginnende Reihe wittern und auch das Ende, ist zwar in sich abgeschlossen, lässt aber viel Freiraum für weitere Abenteuer. Insofern gibt es noch viel Potenzial nach oben. Oder nach vorn.

 

„Das Erbe der Tempelritter“ ist kurzweiliger Actionspaß für Jungs mit dem geheimnisumwitterten Thema der Tempelritter. Rasantes James-Bond-Feeling für Jüngere, eine Geschichte zum Mitjagen.

SCM R. Brockhaus, ISBN 978-3-417-28555-0, Preis 12,95 Euro

Miriam Breuninger

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