Kirsten Winkelmann: Zwischen Treue und Verrat

Rebekka, Studentin der Tiermedizin, hat es nicht einfach mit ihrer Familie. Ihre Mutter verdient das Geld durch Putzen bei Herrn Roselius. Der Vater geht geregelter Arbeit aus dem Weg. Dafür kann er die Hand nicht vom Spielen lassen. Diebstähle haben ihn schon zu manchem Gefängnisaufenthalt verholfen. Ihr Bruder Vincent ist der Erfüllungsgehilfe des Vaters. Eines Abends wird Rebekka auf dem Nachhauseweg überfallen und bedroht. Dadurch erfährt sie von den Spielschulden des Vaters. Um ihm zu helfen und die Familie vor weiteren Repressalien zu schützen, geht sie ins Casino.
Dort trifft sie auf Chris Roselius. Mit seiner Hilfe gewinnt sie das benötigte Geld. Doch seine Annäherungsversuche blockt sie ab. Als sie sich doch zu einem Abendessen überreden lässt, erscheint Chris nicht. Der Roman hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Die Autorin hat die Protagonisten ausgezeichnet charakterisiert. Rebekka ist eine selbstbewusste junge Frau, die weiß, was sie will. Nur die Loyalität zu ihrer Familie bringt sie immer wieder in Gewissenkonflikte. Chris soll die Fabrik seines Vaters übernehmen. Aber er hat andere Träume. Seine kurzfristigen Liebesverhältnisse wirken außerdem negativ auf das Vater – Sohn –Verhältnis.
Der Roman lebt nicht in erster Linie von der Krimihandlung, sondern von dem Spannungsverhältnis der handelnden Personen. Viele der Gespräche zwischen Rebekka und Chris sind vom Feinsten. Hier treffen zwei starke Charaktere aufeinander. Wie weit darf die Loyalität gegenüber der Familie gehen? Wo beginnt Schuld?
Vor diesen Fragen steht Rebekka mehrmals. Ihre Zerrissenheit ist für mich als Leser mit den Händen greifbar. Als sie die Folgen ihres Handelns tragen muss, fühlt sie sich ungerecht behandelt und verraten. Dabei lastet sie den Verrat nicht dem eigenen Vater an, sondern Chris. Erst die Gespräche mit dem katholischen Pfarrer, die in die Tiefe gehen, bringen sie zum Nachdenken. Hinderlich dabei ist ihr das Vaterbild, welches sie hat. Sie hat Männer nie als Vorbilder erlebt. Der Autorin ist es ausgezeichnet gelungen, die Wandlung von Rebekka in die Romanhandlung zu integrieren. Auch Chris habe ich als Leser nach und nach von einer anderen Seite kennengelernt. Es bedurfte der Beseitigung vieler Missverständnisse bis sich Chris und Rebekka endlich aussprachen. Die Familien von beiden waren dabei nicht hilfreich. Eine Ausnahme bildete der Onkel von Chris. Er nahm den jungen Mann, so wie er sich gab und unterstützte ihn.
Das Buch ist spannend geschrieben. Aspekte des Glaubens werden behutsam und sparsam behandelt. Rebekkas Auseinandersetzungen damit gehören für mich zu den besonderen Stellen des Romans. Vertrauen und Verrat – ein schwieriges Thema wurde auf überzeugende Weise umgesetzt.
Gerth Medien, ISBN 978-3-865-91717-1, Preis 17,99 Euro
Elfie Kraft
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