David Lamb: Der missverstandene Gott?

Kein leichtes Thema, das sich der Autor David T. Lamb da vorgenommen hat, aber ein sehr wichtiges. Vielen Christen erscheint Gott im Alten Testament ganz anders als im Neuen Testament, und es gibt auf säkularer Seite nicht zuletzt durch Richard Dawkins und andere „bekennende Atheisten“ deutliche Kritik an der Art, wie Gott hier dargestellt wird.
Der Autor bringt zwei Eigenschaften mit, die ihn geradezu dafür prädestinieren, ein Buch wie dieses zu schreiben: Zum einen ist er als Professor für Altes Testament ein Experte desselben, zum anderen ist er ein gläubiger Christ. Wer nun allerdings eine langweilige, fundamentalistisch anmutende Abhandlung über hebräische Wortbedeutungen erwartet, wird mit Sicherheit enttäuscht werden. Lamb ist zwar vom Fach, nimmt sich aber selbst nicht allzu ernst. Sein Schreibstil ist lebendig und in bestem Sinne unterhaltend. Er führt viele aktuelle Bezüge zur Wahrnehmung Gottes in unserer westlichen Kultur an und beweist (als Amerikaner!) englischen Humor, der dem ernsten Thema sehr gut bekommt.
Über die schwierigen Stellen der Bibel bügelt er nicht einfach hinweg; vielmehr geht er ausführlich auf sie ein. Jahwes Hang zu zornigen Gewaltausbrüchen, die willkürliche Tötung Usas, der doch nur die Bundeslade schützen wollte, der angeordnete Genozid an den Kanaanitern, der sexistische Umgang mit Frauen, die Wandel- bzw. Unwandelbarkeit Jahwes … all das und noch mehr kommt auf den Tisch und wird eingehend und mit Blick auf den Kontext behandelt. Dabei nimmt Lamb auch immer wieder Bezug auf Dawkins und Co., was das Buch auf jeden Fall auch für kritisch eingestellte Leser interessant macht.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, weil es sich nicht mit einfachen Antworten zufriedengibt, sondern wirklich in die Tiefe geht, und dabei noch gut geschrieben ist. Ich kann es rückhaltlos jedem empfehlen – „alten Hasen“ ebenso wie Menschen, die erst am Anfang ihres Lebens als Christ stehen, Theologen und Bibelwissenschaftlern genauso wie Laien, die das Thema interessiert. Es hat das Potenzial, zu einem neuen Klassiker zu werden!
Brunnen, ISBN 978-3-765-51255-1, Preis 15,99 Euro
Esther Middeler
Hier gleich noch eine zweite Rezension:
Völkermord, Gesetzlichkeit, Grausamkeit und Gottes Zorn, so würden einige das
Alte Testament zusammenfassen. Wer hat nicht schon mal den Kopf geschüttelt als
er las, wie Lot seine Töchter zur Vergewaltigung anbot um Gottes Engel zu
schützen? Wer hat sich nicht schon mal gefragt warum die Kanaaniter auf Gottes
Befehl hin ermordet worden sind? Ist Gott zornig, sexistisch, rassistisch,
brutal und ungerecht?Mit diesen Fragen beschäftigt sich David L. Lamb in
seinem Buch „Der missverstandene Gott“. Der Autor ist Professor für Altes
Testament und überzeugter Christ – eine Kombination die nicht selbstverständlich
ist. All die oben stehenden Fragen haben ihn schon immer bewegt und er wollte
gern Antworten darauf warum der liebevolle Gott des Neuen Testamentes im Alten
Testament so scheinbar lieblos und grausam ist. Dabei deckt er viele Vorurteile
auf und zeigt auf, dass wir in der heutigen Zeit oft einen ganz anderen Blick
auf einzelne Begebenheiten haben und auch die Geschichte und damalige Kultur mit
berücksichtigen müssen. Lamb schreibt humorvoll, flüssig und gut verständlich,
überall stehen Bibelstellen dabei um es genauer verstehen zu können und man
selbst nachschlagen kann. Auch aktuelle und persönliche Erlebnisse bringt er mit
ein, was das Buch immer wieder auflockert und Themen praktisch
darstellt.Wem das Alte Testament oft ein Rätsel ist oder wer einfach
tiefer in die Thematik einsteigen will, für den ist das Buch sehr gut geeignet.
Glaubensanfänger werden hier genauso Antworten finden wie alte Glaubenshasen.
Ein sehr wichtiges Buch um viele Missverständnisse aufzudecken!
Simone Janoschke
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