Lynn Austin: Am Anfang eines neuen Tages

am anfang eines neuen Tages

Das Cover erschien mir eher bieder, aber davon sollte man sich tatsächlich nicht abschrecken lassen, denn die Geschichte in der wir uns befinden ist hochinteressant und hat leicht einen Fackeln im Sturm Touch. Ich habe die Serie im TV als Teenie mit Mama geschaut und noch heute fasziniert mich die Geschichte der Süd und Nordstaaten der USA. Die Leidtragenden im ganzen Krieg sind dabei in meinen Augen die Sklaven und auch im Roman von Lynn Austin wird dies sehr gut beleuchtet, das es mir wieder eine ganz andere Sichtweise über diese Zeit danach, mittendrin und der schweren Zeit vor dem Krieg aufgezeigt hat. ich konnte für mich eine Menge aus dem Buch ziehen. Natürlich ist es ein christliches Buch, aber keine Sorge, man wird nicht mit christlichen Moralvorstellungen überladen, sondern bekommt einen guten Einblick auf die damalige Zeit. Der christliche Glaube fehlt natürlich auch nicht, aber er verläuft eher am Rande und ist dennoch sehr präsent. Otis einer der Feldsklaven ist mir dabei regelrecht ein Vorbild geworden, denn er ist wirklich treu, trotz aller Schwierigkeiten. Von ihm könnten wir uns die eine oder andere Scheibe abschneiden. Wenn ich schon den Vergleich zu „Fackeln im Sturm“ ziehe, möchte ich gleich noch eine hinzufügen und das ist „Onkel Toms Hütte“. Wem beides gefällt wird dieses Buch lieben.
Wir befinden uns in einer Familiengeschichte mitten in den Südstaaten. Der Krieg ist beendet, die Familie verarmt und die Sklaven frei. Es herrscht Verbitterung und Unglaube. Die Familie muss sich neu finden und alte Werte neu überdenken. Es ist eine Art Selbstfindung und Lynn Austin beschönigt nichts, sondern gibt die Gefühle der jeweiligen Menschen sehr gut preis. Ich konnte mich mit ihnen teilweise regelrecht identifizieren, obwohl ich auf manche der Hauptprotagonisten einen echten Groll hegte.Wenn es jetzt kein Happy End gegeben hätte, wäre ich regelrecht verstimmt gewesen.

Für den Roman muss man sich wirklich Zeit einräumen, damit das Buch wirken kann. Es ist eine ganz besondere Zeit, die für keine der Beteiligten einfach ist, aber sie meistern es, alle auf ihre Weise. Miss Josephine, die ihren Glauben durch den Tod des Vaters und ihres Bruders verloren hat lernt Gott ganz neu kennen und das ist etwas, was mir wirklich mitten ins Herz ging. Wozu lässt Gott das Leid zu? Eine Antwort darauf werden wir vielleicht nie finden, aber der Krieg hat hier dazu geführt, das Sklaven sich frei entscheiden können, wo sie arbeiten wollen und sich Kost und Logis als freie Menschen verdienen können. Ihre Kinder können die Schule besuchen und lesen, schreiben und rechnen lernen. Etwas wovon sie nie zu träumen gewagt haben. Natürlich ist aller Anfang schwer, denn es werden ihnen viele Steine in den Weg geräumt, aber Gott wäre nicht Gott, wenn er ihr Rufen und Flehen nicht hören würde. Wie schon gesagt hat die Autorin in Otis eine wunderbare Person geschaffen, der trotz großer Anfechtungen niemals seinen Glauben verliert und dabei auch noch seine Familie zusammenhält die auseinander brechen würde.

Ich fand das Buch wirklich toll und kann daher nur eine Leseempfehlung aussprechen. Für mich war es das erste Buch der Autorin, aber mit Sicherheit nicht das letzte. Etwas wie einen Krieg und den Wiederaufbau zweier Nationen so liebenswert und glaubwürdig zu beschreiben ist wirklich eine Kunst, denn ich fühlte mich gut aufgehoben und geborgen, denn mal im Ernst? Wer zweifelt nicht manchmal an Gottes Allmacht? Wer wird sich in solchen Zeiten gegen die Mutter oder den Bruder aufbegehren und für das kämpfen was er / sie erkannt hat? Es waren andere und schwere Zeiten, die für Veränderungen im Denken und Handeln führen. Es hat mir gefallen die verschiedenen Persönlichkeiten zu betrachten und die eine oder andere schätzen zu lernen. Ein Familiendrama führt letztendlich dazu, das ein Umdenken möglich ist, aber davon solltet ihr lieber selbst lesen.

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27363-2, Preis 15,95 Euro

Melanie Enns

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