Lynn Austin: Am Anfang eines neuen Tages

am anfang eines neuen Tages

Wie gespannt war ich auf den neuen Roman von Lynn Austin. Bisher hatte mich jeder Roman von ihr in den Bann gezogen. Als ich hörte, dass es wieder ein Südstaaten-Roman ist, war ich skeptisch, weil sie darüber bereits eine Trilogie geschrieben hat. Aber als ich zu lesen begann, war die Geschichte doch so anders, neu, atemberaubend und unvorhersehbar.

Das Buch dreht sich um drei Frauen, kurz nach der Niederlage der Südstaaten in Virginia. Da ist Eugenia, Mutter von vier Kindern, Witwe und nun mit der Farm ihres Mannes auf sich selbst gestellt und plötzlich ohne Sklaven. Sie wuchs im Wohlstand auf, mit dem Wissen, dass Sklaven niedere Menschen sind, gemacht um schwer zu arbeiten und für sie da zu sein. Sie ist besorgt um ihren Ruf und kann mit Arbeit wenig anfangen. Ihre Tochter Josephine wuchs auch so auf, merkt aber schnell, dass sie nicht weiter mit dieser Illusion leben kann, in der ihre Mutter sich in Sicherheit wiegt, dass alles wieder wird wie früher. Sie möchte gern mit anpacken, helfen und sie selbst sein. Aber die festgefahrenen Ansichten ihrer Familie nehmen sie immer wieder gefangen. Die dritte Frau ist Lizzie, eine frühere Sklavin, die nun frei sein soll, das aber nicht so recht glauben kann. Als einzige der ehemaligen Sklaven bleibt sie mit ihrer Familie auf der Farm von Eugenia und hofft auf ein besseres Leben für ihre Kinder und muss dafür viele Rückschläge in Kauf nehmen.

Diese Geschichte hat mich sehr gefesselt, ich konnte sie kaum aus der Hand legen, weil immer wieder neue Dinge passierten, es Wendungen gab, mit denen man nicht rechnete und sogar das Ende sehr unvorhersehbar war. Jeder hat sicher schon mal die Geschichte rund um den amerikanischen Bürgerkrieg gelesen, aber hier wird sie lebendig. Vor allem auch die Sicht von Lizzie hat mir sehr gut gefallen, die Angst, welche die ehemaligen Sklaven gehabt haben müssen, wie es nun weitergeht, gepaart mit der Hoffnung, ein besseres Leben führen zu können.

Die Einsichten, die man nach der Lektüre dieses Buches gewinnt wirken lange nach. Hass erzeugt immer nur mehr Hass, wenn man sein Herz nicht erweichen lässt. Und die Hoffnung trägt viel weiter als man sehen kann. Auch der Glaube kann Berge versetzen, wenn man sich darauf einlässt und nicht immer seinen eigenen Willen durchsetzt sondern abwartet wie Gott eingreift. Besonders das Gebet wird hier immer wieder angeführt – warum Gott unsere Gebete nicht immer so erfüllt wie wir es uns wünschen sondern so wie es seinen Kindern hilft.

Lynn Austin hat mich aufs neue überrascht mit diesem sehr vielschichtigen Roman.Wie auch in ihren anderen Büchern kann man hier sehen, wie Menschen für ihre Rechte gekämpft haben ohne die wir heute nicht da wären wo wir sind. Das Thema wird wohl noch eine Weile in meinem Kopf umher schwirren und mich beschäftigen – so sollte es bei guten Bücher sein!

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27363-2, Preis 15,95 Euro

Simone Janoschke

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