Gina Holmes: Wo mein Gestern dein Heute berührt

wo mein gestern dein heute berührt

Jenny ist noch jung, aber bereits alleinerziehende Mutter einer fünfjährigen Tochter. Und todkrank. Um ihrer Tochter Isabella ein neues Zuhause nach ihrem Tod zu verschaffen, kehrt sie in ihr Elternhaus zurück, zu dem sie vor sechs Jahren alle Brücken abgebrochen hatte. Von ihrer Großmutter wird sie herzlich aufgenommen und auch ihr Vater taut langsam auf. Doch wie soll sie in ihrem Heimatort Isabellas Vater aus dem Weg gehen, der inzwischen verheiratet ist und nichts von der Existenz seiner Tochter weiß? Und wie geht sie mit Craig, dem Untermieter ihrer Familie um, der ihr trotz ihrer Situation den Hof macht? Dann geschieht ein Unglück und die Ereignisse überschlagen sich …

Gina Holmes ist ein beeindruckender Debütroman gelungen, der durchaus mit einer spannenden Herzschmerz-Geschichte von Nicholas Sparks mithalten kann. Gut gefallen haben mir ihr Schreibstil und ihre authentische Charaktere. Auch die Übersetzung ist in meinen Augen gelungen.

Was mich jedoch im Nachhinein sehr ernüchtert hat: Gott spielt in diesem Buch eine absolute Nebenrolle. Die Beziehung, die Jenny zu ihm hat und ihr Bild von Gott sind sehr dürftig. In ihrer doch sehr verkorksten Situation hätte ich erwartet, dass sie sich aktiv im Gebet mit ihrer Wut und ihrer Trauer auseinandersetzt. Doch über ein paar anklagende Worte kommt sie nicht hinaus, da sie sich nahezu ausschließlich mit ihrer irdischen Situation beschäftigt. Ja, in diesem Roman geht es um die Endlichkeit des Lebens – aber in erster Linie aus menschlicher Perspektive. Die Szene, in der Jenny stirbt, bildet hier eine kleine Ausnahme, doch auch hier steht zunächst die verstorbene Mutter im Vordergrund, sodass ich mich fragen musste, ob die Autorin vielleicht doch eher der esoterischen Richtung zugeneigt ist. Erschüttert hat mich auch, wie sie mit ihrer Tochter Isabella über ihren Tod und Gottes Rolle dabei spricht – hier wird am deutlichsten, wie schlecht es um ihre Beziehung zu Gott bestellt ist und in meinen Augen ist durch die Art, wie sie darüber redet, Isabellas Abkehr vom Glauben vorprogrammiert (was natürlich nicht passiert).

Zusammenfassend muss ich also leider sagen, dass der Roman mich enttäuscht hat und ich in Zukunft wohl keine Bücher mehr von Gina Holmes lesen werde. Mit einer Autorin wie Karen Kingsbury, bei der der Glaube für die Protagonisten eine große Rolle spielt, kann sie sich in meinen Augen keinesfalls messen. Hier stimmt einfach die Zusammensetzung für einen christlichen Roman nicht: zu viel Mensch, zu wenig Gott. Schade.

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27364-9, Preis 14,95 Euro

Esther Middeler

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Romane abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s