Eckart zur Nieden: Das Uhrwerk des Meisters

das uhrwerk

„…Es geht mir darum, von vornherein allen schwärmerischen Vorstellungen entgegenzutreten, als müsse das Miteinander schon problemlos klappen, weil wir ja alle Brüder und Schwestern sind…“

Es ist das Jahr 1812 in einem Dorf in Württemberg. Als die Soldaten eines der Pferde seines Vaters beschlagnahmen wollen, weigert er sich. Daraufhin erschießen ihn die Franzosen und brennen den Hof nieder. Philipp ist nun Waise. Karl Stiller, ein benachbarter Bauer, nimmt ihn in seine Familie auf. Sein ältester Sohn Ruben muss auf Befehl des Fürsten mit Napoleon nach Russland. Zwischen Philipp und Magdalena entstehen erste zarte Bande.
Philipp lernt bei Karl Stiller den Pietismus kennen. Diese Glaubensrichtung stellt wieder das Evangelium in den Mittelpunkt, nachdem auch in den Kirchen die Aufklärung Einzug gehalten hat. Um ihren Glauben leben zu können, denken viele über eine Ausreise nach Russland nach. Gottfried Wilhelm Hoffmann, kaiserlicher Notar und Bürgermeister von Leonberg, schlägt einen anderen Weg vor. Die Brüder sollen sich in Deutschland ansiedeln und den König um ein Glaubensprivileg bitten. Vorbild dafür ist die Herrenhuter Brüdergemeinde in Sachsen.

Zusammen mit Karl Stiller und seiner Familie, zu der nun auch Philipp gehört, erlebe ich als Leser die Kämpfe und Diskussionen dieser Zeit. Eindringlich wird gemeinsam beraten, welcher Weg der Beste ist. Entscheidend für alles Tun ist der Glaube.

Eingebettet in die Familiengeschichte wird gezeigt, wie Hoffmanns Traum langsam an Struktur gewinnt. Mir hat gefallen, dass er sehr realistisch an seine Planungen ging. Jeder Schritt wurde bedacht. Das eingangs angeführte Zitat belegt, dass Hoffman durchaus die Probleme und Schwierigkeiten sah, die auftreten konnten, auch wenn man gleichen Glaubens war.

Behutsam wird die Entwicklung von Magdalena und Philipp geschildert. Beide reifen in den harten Jahren des Lebens. Philipp lernt zu vergeben. Die Darstellung seines Zwiespalt und seiner inneren Kämpfe bis zur endgültige Entscheidung gehören zu den stärksten Szenen des Buches.
Das Buch ist einerseits spannend geschrieben, zeichnet sich aber andererseits auch durch tiefsinnige Gespräche über den Glauben aus. Das alles ist geschickt eingebettet in die gesellschaftlichen Verhältnisse jener Zeit.

Das Buch ist in verschiedene Abschnitte gegliedert, die den Jahren entsprechen. Zu Beginn wird jeweils die Jahreszeit genannt und ein Zitat aus dem Vaterunser vorangestellt.

Das Cover passt zur Handlung. Es weist auf das Handwerk hin, dass Philipp lernt.

Brunnen, ISBN 978-3-765-51198-1, Preis 14,99 Euro

Elfie Kraft

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Sachbücher veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s