Tom Wright: Kleiner Glaube – Großer Gott

kleiner Glaube

Tom Wrights Buch „Kleiner Glaube – Großer Gott“ hat bereits eine längere Vorgeschichte, denn bereits 1978 erschien es in englischer Sprache und wurde nun, 25 Jahre später, ins Deutsche übersetzt. Doch trotz des großen Zeitabstandes sind die in ihm verhandelten Themen noch immer aktuell: Wright, ehemaliger Bischof von Durham und zur Zeit Theologieprofessor an der University of St. Andrews in Schottland, geht vor allem der Frage nach, was es heißt, an den einen großen Gott der Bibel zu glauben. Dabei betont er, dass es ihm nicht um Glauben an sich geht, sondern um denjenigen, auf den sich der Glaube bezieht: Gott. Der Blick wird somit weg vom glaubenden Individuum, hin zum Ziel des Glaubens gelenkt. Beim christlichen Glauben geht es darum, so Wright, »dass wir von uns wegschauen und die Welt so sehen, wie Gott sie sieht, also so, wie sie wirklich ist.«

Scharfsichtig nimmt Wright in insgesamt 20 Kapiteln, die zum Teil nur vier bis fünf Seiten umfassen, einzelne Bibelstellen in den Blick und kommt dabei zu erstaunlichen und erfrischenden Einsichten. So interpretiert er die Johannes-Offenbarung als eine ›Landkarte des Himmels‹, die es den Gläubigen ermöglicht, ihren Weg – und letztlich ihr Ziel – zu erreichen. Ebenso stellt er die provokante These auf, dass jeder Christ immer auch ein Heuchler sei, wobei beachtet werden muss, dass der Autor zwischen ›guter‹ und ›schlechter Heuchelei‹ unterscheidet. Mit Blick auf Matthäus 5-6 dürfe man als Christ nicht den Fehler begehen, immer der Stimmung des Moments treu sein zu wollen, sondern müsse sich gelegentlich über seine eigenen Gefühle hinwegsetzen, weil Gott von uns bestimmte Dinge wie das Beten einfach fordere. Der Gehorsam gegenüber Gott müsse dabei über dem Bestreben nach Aufrichtigkeit stehen. In diesem Sinne spricht Wright von der Heuchelei, »die der Christ willkommen heißen muss«: »Wie oft fängt ein Christ an, die Bibel zu lesen, ohne groß danach zu verlangen, sondern einfach aus Pflichtbewusstsein? Und wie oft erlebt man, dass das Verlangen und die Freude der Pflicht folgen, nicht umgekehrt? Wir müssen in dieser Spannung leben, weil diese Spannung das Christsein ausmacht.«

Einige Thesen Wrights reizen zum Widerspruch, doch gerade das macht sein Buch so spannend: Es fordert heraus, über einige eingefahrene Glaubensan und -einsichten neu nachzudenken und sich gegebenenfalls korrigieren zu lassen. Die jeweiligen Kapitel sind in sich abgeschlossene Einheiten, die dadurch auch jeweils für sich gelesen werden können. Dies birgt jedoch nicht nur Vorteile, sondern auch den bedeutenden Nachteil, dass der Zusammenhang der einzelnen Kapitel miteinander nicht immer deutlich wird. Die Anordnung scheint willkürlich veränderbar, ohne dass sich dadurch etwas an der Gesamtaussage des Buches ändern würde. Nimmt man dies jedoch in Kauf, wird man bereichert aus der Lektüre von »Kleiner Glaube – Großer Gott« hervorgehen.

Neufeld Verlag, ISBN 978-3-862-56030-1, Preis 14,90 Euro

Stefan Jäger

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