Melissa C.Feurer: Mitbewohner gesucht

mitbewohner gesucht

Lena, Simone und Gabriel sind grundverschieden und da sind die unterschiedlichen Studiengänge nur der Gipfel des Eisberges. Simone studiert Lehramt, ist überzeugte Christin und unglaublich lieb. Fast schon zu lieb. Im Gegensatz dazu steht Lena, Architekturstudentin, selbstbewusst, willensstark und gezwungen unterkühlt. Gabriel beschreibt eigentlich ein einziges Wort: Nerd.
Mehr schlecht als recht leben die drei zusammen und suchen wieder einmal einen vierten Mitbewohner für ihre WG. Wer hätte gedacht, dass der strohblonde Johnny das instabile Wohngefüge der drei dermaßen erschüttern und ungeahnte Gefühle wachrufen würde?

Was mir zuerst auffiel, war das ungewohnt kleine Format des Buches. Kleiner als manches Taschenbuch, wirkt es dank der festen Bindung, sowohl solide und gut verarbeitet, als auch leicht und handlich. Der perfekte Reisebegleiter.
Auch die zarte Seitenanzahl knapp über der 200er Marke lässt keine schwere Kost vermuten.
Die Erkenntnis nach dem Lesen: Ist es auch nicht. Zumindest nicht im Sinne von belastend“. Kein bleischweres Gefühl auf der Seele, wie bei der Lektüre eines erschlagenden Gesellschaftsromans oder die Beklommenheit, die so oft beim Thema Krankheit und Tod hereinschleicht. Erstaunlich, denn um letzteres geht es in Mitbewohner gesucht“.

Zuerst noch nicht ganz klar, wird aus Johnnys Krankheit (Lymphdrüsenkrebs) nicht lange ein Geheimnis gemacht, denn die Spannung, von der die Handlung lebt, ergibt sich erst aus dem Wissen der drei Studenten, um Johnnys schlimmen Zustand. Keine Behandlung mehr, nur noch abwarten, ist die hoffnungslose Diagnose.
Jeder der drei Protagonisten kommt im Laufe der Handlung zu Wort, darf Teilstücke der Geschichte aus seiner Perspektive erzählen und der Leser erhält Anteil an den so unterschiedlichen Gefühlswelten der drei.
Dabei gelingt es der Autorin trotz des knappen Stils in kurzen Szenen alle Figuren zum Leben zu erwecken. Und nicht nur das. Trotz der beinahe überheiligen Fürsorge Simones, der steinernen Härte Lenas und Gabriels allgemeiner Zurückhaltung, ist jeder von ihnen ein Gewinner, wenn es um die Sympathie des Lesers geht.
Zum Ende des Buches liegt das Hauptaugenmerk deutlich auf Lena, die auch die größte Veränderung durchlebt und sich dadurch zur Hauptfigur mausert, in der sich Stärke und Zerbrechlichkeit treffen.

Ich habe das Buch beinahe in einem Rutsch durchgelesen und war positiv überrascht, wie die Autorin es geschafft hat, dem wirklich schwierigen Thema eine kitschfreie und dennoch nicht tragische Note zu verleihen. Es sind durchaus Tränen beim Lesen geflossen, aber die Betonung lag eindeutig nicht auf dem Leid und der Endgültigkeit der Lage, sondern auf der Hoffnung. Hoffnung durch Jesus.

Zackig zu lesen, ohne melancholischen Beigeschmack am Ende und wunderbar hoffnungsvoll. Meine Hoffnung? Dass dieses Buch Spuren hinterlässt.

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27379-3, Preis 9,95 Euro

Miriam Breuninger

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