Francine Rivers: Hadassa

hadassa

Es ist das Jahr 70 nach Christi. In Rom tobt der Bürgerkrieg. Hadassa war mit ihren Eltern nach Jerusalem gekommen. Dort erzählte ihr Vater auf der Straße von seinem christlichen Glauben. Das war lebensgefährlich. Eines Tages war er nicht zurückgekehrt. Wie viele in Jerusalem hungert Hadassa und ihre Familie. Römische Legionäre marschieren in die Stadt. Es sollte kein Stein auf dem anderen bleiben. Hadassa schließt ihrer Mutter die Augen, der kleine Bruder wird von einem Römer getötet und ihre Schwester schläft friedlich in ihren Armen ein. Sie wird als Sklavin verkauft.
Niemand will das ausgemergelte Mädchen. So gelangt sie auf den Sklavenmarkt nach Rom. Findet sie keinen Käufe, wird sie in die Arena geschickt. Enoch, Jude und Sklave, kauft sie für seinen Herrn Decimus Valerian. Valerian stammt aus Ephesus und hat sich das römische Bürgerrecht erkauft. Er hat es in Rom zu Reichtum und Ansehen gebracht. Phoebe, seine Frau, findet Gefallen an dem Mädchen und bestimmt sie zur Dienerin ihrer Tochter Julia.
Zur gleichen Zeit werden in Germanien die Legionen durch die Nadelstiche der germanischen Krieger zermürbt. Sie greifen an und ziehen sich sofort zurück, wenn die Römer sich formiert haben. Nach dem Tode seines Vaters wird Atretes neuer Häuptling der Chatten. Dann schlagen die Römer zurück. Sie nehmen Atretes gefangen und verkaufen ihn an eine Gladiatorenschule.
Die Autorin hat ein umfassendes Bild von Rom zu dieser Zeit gezeichnet. Die alten Werte zählen nicht mehr. Ablenkung und Spiele bestimmen das Leben. Freiheit und Genusssucht sind die Ziele der gehobenen Kreise. Die Gladiatorenkämpfe können nicht grausam genug sein. Ein schneller Tod ist unerwünscht. Liest man das Buch aufmerksam, so wird man viele Parallelen zwischen den damaligen Verhältnissen und unserer heutigen Zeit finden.
Typische Vertreter der jungen Generation sind Marcus und Julia, die Kinder von Valerian und Phoebe. Beide wollen ihren eigenen Weg gehen. Marcus möchte sich Reichtum erwerben, Julia über ihr Geld selbst bestimmen dürfen.
Die Protagonisten sind ausgezeichnet charakterisiert. Hadassas stille Duldsamkeit ist außergewöhnlich. Doch sie gibt ihr inneren Frieden, der nach außen strahlt.
Julia ist das ganze Gegenteil. Sie ist selbstsüchtig und rücksichtslos. Allerdings ist sie auch sehr naiv. Sie verfügt über keinerlei Menschenkenntnis und ist leicht zu manipulieren. Von ihren Sklaven verlangt sie unbedingten Gehorsam, den sie mit Drohungen durchsetzt. Nur Hadassa ist in der Lage, sie in ihrer Unrast zu besänftigen.
Marcus ist ein vielschichtiger Charakter. Bei ihm halten sich Stärken und Schwächen die Waage.
Atretes wird durch seinen Hass auf Rom geprägt.
Die Autorin hat es sehr gut verstanden, die Entwicklung der Personen darzustellen. Hadassa muss in einer Zeit und Welt leben, die ihren Glauben ablehnt. Sie gilt als Jüdin. Aus Angst verschweigt sie ihren wahren Glauben. Doch im Gebet ringt sie um Glaubenskraft. Fürbitten für ihre Herrschaft ist für sie selbstverständlich. Klaglos erträgt sie die Launen von Julia. Schwierig wird es für sie, als sie spürt, dass sie Marcus nicht gleichgültig ist.
Der Roman zeichnet ein exzellentes Zeitgemälde von Rom und Ephesus. Er ist spannend geschrieben und hat mich schnell in seinen Bann gezogen. Der Oberflächlichkeit Roms steht der Ernst des Glaubens von Hadassa gegenüber. Atretes verkörpert Hass und Rache. Seine Mittel sind Kampf und Gewalt. Doch im Inneren ist er tief verletzt. Das zeigen seine Gespräche mit Hadassa.
Die überzeugendsten Stellen des Buches sind die Gespräche von Hadassa mit anderen Christen. Sie bauen nicht nur Hadassa auf, sie haben auch mich zum Nachdenken und Durchdenken angeregt.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Ich freue mich auf die weiteren Teile.
Das Cover, das eine junge Frau vor der Arena Roms zeigt, passt gut zum Buch.

Gerth Medien, ISBN 978-3-865-91890-1, Preis 16,99 Euro

Elfi Kraft

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