Christian Döring/Christian Heinritz: Bibel statt Parteibuch

Bibel statt Parteibuch

Leben als Christ in der DDR – ein Thema was heute gern unter den Teppich gekehrt wird. Ist vorbei, muss man nicht mehr drüber reden, alle genießen ihre Freiheit nach der Wiedervereinigung. Dennoch ist es ein wichtiges Thema, wie ich finde. Hauptgrund zum Griff dieses Buch war aber auch, dass ich selbst ein paar Jahre in der DDR aufgewachsen bin und gespannt war ob ich einiges wiederentdecke, was meine Familie und ich auch erlebt haben.

Christian Döring hat das Buch zusammen mit Christian Heinritz in einer Art Interview geschrieben. So stellt Christian Heinritz gezielte Fragen und Christian Döring schreibt dazu seine Erlebnisse. Herausgekommen ist eine etwas andere Biografie, die zwar nicht wie üblich detailiert das Leben des Autors schildert sondern vielmehr für ihn wichtige Begebenheiten zeigt. Zwar störten mich die Fragen manchmal etwas im Lesefluss, dennoch bereiten sie quasi etwas das Erlebte vor und bieten einen Einstieg. Christian Döring schreibt humorvoll, flüssig und lebensnah. Viele in der DDR typische Abkürzungen werden dem Nichtwissendem Leser übersetzt und erläutert. Manchmal mit einem Augenzwinkern.

Für mich als „Insider“ war natürlich vieles nicht neu, dennoch war es interessant, es aus einer anderen Perspektive zu lesen. Andere Erlebnisse – etwa seine Zeit als Autor und seine diakonische Arbeit waren für mich neu und spannend. Bei allem verfällt Christian Döring aber nicht ins jammern wie schlecht es Christen ging, sondern beleuchtet einfach seine Sicht der Dinge.

Trotz der Tatsache, dass der Autor meist ein Einzelgänger war, hat er viel erlebt und bewegt in seiner Zeit in der DDR. Oft kam er mit einem blauen Auge davon, manchmal musste er zurückstecken oder wurde sehr zweifelhaft behandelt. Das was ihn immer wieder Mut machte und Kraft gab war und ist sein Glaube an Gott, den er oft auch sehr waghalsig und nicht immer ohne Gefahr vertritt. Selbst seinen sicheren Job gibt er auf um seinen Horizont zu erweitern und fängt an bei der Diakonie zu arbeiten – ohne Mindestlohn und Überstundenbezahlung und dennoch endlich angekommen.

Leider ist das Buch viel zu schnell ausgelesen, ich hätte gern noch viel mehr gelesen. Am Schluss gibt es die Aufforderung, seine eigenen Geschichte rund um die DDR zu erzählen und an den Autor zu schicken. Wer weiß – vielleicht wird das sein nächstes Buch. Ich jedenfalls würde es sehr gern lesen!

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27466-0, Preis 12,95 Euro

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Eine Antwort zu Christian Döring/Christian Heinritz: Bibel statt Parteibuch

  1. missionsgemeinde schreibt:

    Für uns, im Osten von Österreich war die Welt beim Eisernen Vorhang zu Ende. Auch wir wussten nicht, wie es den Menschen über der Grenze geht. Nur manche Mutige haben immer wieder Wege gefunden um Beziehungen zu bauen.

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