Jody Hedlund: Ein Bräutigam aus gutem Haus

ein bräutigam aus gutem haus

Forrestville, Michigan, 1881: Annalisa und Hans, deutsche Auswanderer aus Essen, versuchen unter harten Entbehrungen ihr Land zu bewirtschaften damit das Land endlich ihnen gehört. Doch eines Tages findet Annalisa ihren Mann auf dem Feld – tot. Was soll nun aus ihr werden mit einer kleinen Tochter und einem weiterem Kind unterm Herzen? Nie wird sie es schaffen die Ernte allein einzubringen. Ihre Familie berät sich und beschließt nach Deutschland zu schreiben um einen neuen Mann für sie zu finden, einer aus der Verwandtschaft. Da taucht plötzlich Carl aus Deutschland auf, er ist auf der Flucht und soll Annalisa helfen bis ihr Bräutigam da ist. Doch Carl ist so anders als die Männer die sie bisher kannte. Lob? Anerkennung? Liebe? Sowas kannte sie bisher nicht und sie blüht langsam auf. Doch dann taucht ihr Bräutigam auf und das Chaos ist perfekt. Denn Carl ist nicht der, der er vorgibt zu sein.

Jody Hedlund hat in diesem Buch die Geschichte deutscher Auswanderer nach Amerika zum Thema gemacht. Dabei zeigt sie die schwere Arbeit, welche die Männer und auch ihre Frauen hatten um das Land zu bearbeiten und zu überleben. Vor allem über den Winter mussten viele hungern, weil die Nahrung knapp wurde. Es zeigt dennoch auch die Freiheit, eigenes Land zu besitzen. Ein Umstand der in Deutschland nicht möglich gewesen wäre. Alles Land gehörte den Adligen, sie durften es nur bearbeiten, mussten aber hohe Abgaben leisten. Liebesheiraten waren damals allerdings sehr selten, weil die Ehe eine Zweckgemeinschaft war, damit der Mann jemand hatte, der ihn mit Essen versorgte und das Gemüse anbaute, während er das Feld bestellte. Nicht selten waren die Männer sehr gewalttätig und herrisch ihren Frauen gegenüber. Die Autorin zeigte mit Carl, dass es auch andere Männer gab die ihre Frauen respektierten und liebten. Leider galten Töchter eher als anhängsel und die Väter versuchten sie gut zu verheiraten. Die Töchter hatten selten Mitspracherecht.

Dieser Roman war seit langem wieder mal ein Buch was mich derart mitgerissen hat, dass ich es kaum weglegen und erst aufhören konnte als ich die letzte Seite zugeschlagen hatte. Keine Seite ist langweilig, immer wieder fiebert man mit und seufzt wegen der schönen Liebesgeschichte. Ja ein Stück weit ahnt man wie es ausgeht, dennoch gibt es immer wieder Wendungen, die die Geschichte in eine andere Richtung lenken. Man merkt wie es knistert zwischen den beiden Progatonisten, ohne dass es kitschig ist. Die Sprache zieht den Leser in den Bann. Bei all der Liebe wird dennoch auch gezeigt, was Hass und Gier aus einem Menschen machen können.

Besonders hervorheben muss man auch den Glauben an Gott, der vor allem für Carl eine sehr große Rolle spielt. Trotz viele Widrigkeiten hält er an seinem Glauben fest. Annalisa hingegen zweifelt daran ob es wirklich einen Gott gibt und ob er sich um arme Witwen wie sie überhaupt kümmert. Warum sollte er? Er hat sicher besseres zu tun. Eine entscheidende Rolle spielt in diesem Roman auch das Pastorenehepaar der Gemeinschaft. Sie leben Glauben vor und sind dennoch nie moralisch und zwingend niemandem etwas auf.

Dieses Buch ist mein absolutes Herbsthighlight! Die Autorin gewann kürzlich dafür zu Recht den Carol Award. Eine aufrichtige Leseempfehlung von mir!

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27458-5, Preis 14,95 Euro

Simone Janoschke

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