Ute Aland: Die Gottesversprecher

die gottesversprecher

 

Sara ist mitte Zwanzig, arbeitet in der Werbebranche und hat sich von ihrem Glauben längst distanziert. Ihre Kindheit verbrachte sie in einer Baptistengemeinde und ihr Glaube war mehr gespielt als echt, eben weil man nicht mit dem Herzen, sondern aus Gewohnheit dabei ist. Dann überredet ihr Arbeitskollege Udo sie, doch mal mit in seine Gemeinde zu gehen. Eine charismatische Gemeinde, die nicht so langweilig ist, wie sie es kennt, sagt er. Eigentlich hat sie keine Lust, damit er sie in Ruhe lässt, geht sie einmal mit, denkt sie. Doch dann wird sie gepackt von den Worten, die Dan predigt – so hatte sie Gottes Botschaft noch nie gehört. Er zieht sie in ihren Bann – sie entdeckt ihren Glauben neu und ist Feuer und Flamme. Dass ihre Eltern und Freunde da anderer Meinung sind und sie sich mehr und mehr von Dan und seiner inzwischen von der Gemeinde abgespaltenen Gruppe abhängig macht, merkt sie erst, als es bereits zu spät ist.

Ein Roman über geistlichen Missbrauch zu schreiben ist mutig. Selten wird dies in einem christlichen Roman thematisiert. So typische Sekten wie Scientology – klar die kennt man. Aber was kann an einer christlichen, lebhaften Gemeinde schon falsch sein? Diese Geschichte – die wie auf dem Cover beschrieben – auf Tatsachen beruht ist aufwühlend, beklemmend und lässt den Leser kaum durchatmen. Nichtmal zwei Tage brauchte ich zum lesen, ich konnte das Buch kaum weglegen. Anfangs konnte ich Sara gut verstehen. Sie ist ein typisches „Gemeindekind“, hat es satt, immer wieder ähnlich langweilige Gottesdienst zu erleben, sich zu verstellen und so zu tun, als würde sie voll und ganz dahinter stehen. Je mehr sie in die Fänge dieser Sekte gerät und geistlich missbraucht wird, desto beklemmender wird es. Könnte mir sowas auch passieren – fragt man sich. Oft habe ich mit dem Kopf geschüttelt – lässt Sara das wirklich mit sich machen ohne zu hinterfragen? Sie gibt Freundschaften auf, lässt sich ihr letztes Geld aus der Tasche ziehen und ist zu jederzeit für die Gruppe da, steht nachts um zwei bereit, wenn Dan einen Eindruck hat und meint, jetzt müssten sie evangelisieren. Man möchte Sara schütteln und ihr ins Gesicht schreiben – Mädel wach endlich auf! Aber man merkt auch, dass es schwierig ist, wenn man einmal in so einem System ist, wieder raus zu finden, selbst zu denken.

Die Autorin versteht es geschickt, Bibelverse und charismatische, fromme Redewendungen so einfließen zu lassen, dass man immer wieder überlegen muss, ob er diesmal nicht doch recht hat. An einigen Stellen fand ich es etwas überspitzt, wie Dan reagierte, was aber sicher so gewollt war. Dieser Roman soll zeigen, wie schnell man in manipulierende Systeme hineingeraten kann ohne es zu merken und wie schwer es ist, wieder auszusteigen. Sehr gut hat mir der Schluss gefallen, wo sich Sara nochmal mit allem auseinandersetzt und Revue passieren lässt, warum sie sich hat einlullen lassen. Dies ist vor allem auch für Betroffene Leser hilfreich um selbst aus solchen Systemen aussteigen zu können.

Kein locker, leichter Roman, aber spannend und wachrüttelnd bis zur letzten Seite! Meine absolute Leseempfehlung!

 

Brunnen, ISBN 978-3-765-50911-7, Preis 14,99 Euro

Simone Janoschke

 

Auf Bücherändernleben gibt es ein aktuelles Interview mit der Autorin.

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